Glockner



Plateauüberquerungen sind etwas aus der Mode gekommen. Rassige, zügige Abfahrten entsprechen mehr dem Zeitgeist, als die Hochflächen und Gletscher mit ihrem oftmals ermüdenden Auf und Ab's. Auf der Suche nach kompromissloser Einsamkeit (die wir auch fanden) wählten wir für unsere Tour die West-Ost-Überschreitung des nördlichen Glocknergebietes. Die Morgensonne begleitete uns in zartem Firn von der Rudolfshütte über den Schafbichl zum Tauernmoossee. Der Blick auf die Riffl Nordwand weckte Erinnerungen an Zeiten, als diese noch lohnendes Ziel war und verkürzte uns damit den Aufstieg auf's Kapruner Törl (2.640m). Die Wintergasse, ein weites und welliges Hochtal, leitet hinunter zum Stausee Mooserboden. Wir schwingen solange es Spass macht und es angesichts des noch bevorstehenden Aufstiegs vertretbar ist. Über das Kärlinger Kees geht es hinauf auf's Riffltor (3.116 m), das eingebettet zwischen der Hohen Riffl und dem Schattseitköpfl liegt. Nun drüber und vorbei an den Bärenköpfen in die Keilscharte und weiter zur Gruberscharte. Bevor wir die Abfahrt in das Käfertal antreten, blicken wir nocheinmal auf die Großglockner Hochalpenstrasse, die soeben aus dem Winterschlaf erwacht und ab dem 1. Mai wieder ungehindert befahrbar ist. Diese wurde zum ersten Mal im August 1935 als Nord-Südverbindung über den Alpenhauptkamm für den Fahrzeugverkehr freigegeben. Die Abfahrt aus der Gruberscharte (insgesamt 2.000 Hm!) über das ostexponierte Hochgruberkees bescherte uns 1.300 Hm feinstes Firnglück. Ca. 20 Minuten dauerte der Abstieg über die Zellermähder ins Käfertal. Trotz des guten Gletscherzustandes ist Hochtourenausrüstung in jedem Fall notwendig. Die eingewehten Kammlagen und Querungen - speziell in die Keilscharte - erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Sepp Schiefer - Bgf.

 

Autor: Josef Schiefer (Bergführer)
Datum: 26.04.2003
Saison: 02/03
Gebiet: Glockner

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