Sittersbachscharte, 2113m



Heute eine Lektion in Heimatkunde. Das rassige Hochkaltertal ist eine wilde Schönheit, die sich einem jedoch erst erschliesst, wenn man mühsam einen steilen Waldgürtel überwindet; zudem derzeit noch eine Schi- Tragezeit von 1.5 Std. ab Hintersee in Kauf nimmt. Wir kannten es nicht und so gingen wir auf Abenteuer aus.
 

Same same but different...
Gestern auf der Gugel kein Firn -- heute in dem breiten Kar auch nicht, trotz Sonne aus einem wolkenlosen Himmel. Dafür sorgte ein lebhafter böiger Wind, der mit zunehmender Höhe immer stärker wurde. Die Windfahnen auf den Gipfeln haben wir schon beim Frühstart um 7:30 Uhr gesehen. Die gesetzte Altschneedecke war teilweise stark windbearbeitet und teilweise vom eingewehten Triebschnee überdeckt. Alles gut fahrbar, wenn man mal das Gerumpel ignoriert. Weiter unten, wo der Wind nicht gewütet hat, fanden wir dann doch noch Firn bei der Abfahrt um 13:00 Uhr. 

Das Leben setzt sich durch. Weiter unten, dort wo sich der Schnee zurückgezogen hat, blühte uns der gaggerlgelbe Huflattich und der rosalila verführerisch duftende Seidelbast, die kugeligweisse Pestwurz hat sich ebenso fleissig zum Licht durchgebuddelt. Eine Wonne !
 

Die halbe Stunde von der Scharte auf den Hinterbergkopf haben wir aus dem Plan gestrichen... der böige Wind war einfach zu nervig und auf einen Sturzflug ins Wimbachtal hatten wir auch keinen Bock. Der Tief- und Weitblick von der Scharte aus war beeindruckend genug.Stattdessen Osterhasen suchen und Sonnenbad im windstillen und menschenstillen Bereich unterhalb des Eishörnl. Fein wars, auch wenn die Sonne von der nahenden Front schon von einem dünnen Schleier abgeschirmt wurde.

Wie schön, dass wir dann zu unserer Überaschung nach dem Talhatscher bei den netten Wirtsleuten vom Aunzinger im Klausbachtal Kaffee und Kuchen ergattern konnten. Mein Gott, welcher Luxus. Glückshormone heute also zuhauf - das lässt alle Mühen und Gebrechen sich in Luft auflösen...augenblicklich wieder mal glücklich  ;-)
Reinhold Messner, einer der großen Pilger unserer Zeit, schrieb einmal: "Wir steigen nicht auf Berge, um Gipfel zu erreichen, sondern heimzukehren in eine Welt, die uns als neue Chance, als ein nochmals geschenktes Leben erscheint".
Heimatland wie bist Du schön, so schön...

 

 

Autor: Annamirl Hufnagel
Datum: 05.04.2021
Saison: 20/21
Gebiet: Berchtesgadener

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