Grüneckkogelscharte



Viel Schnee im Stubachtal, zumindest weiter oben…..

Nachdem die Verhältnisse nicht ganz ohne waren, wurde eine etwas "flachere" Tour herausgesucht, ganz ohne Bauchgrummeln wars dann aber trotzdem nicht...

 

Vom schön ausgeschobenen Parkstreifen direkt an der Straße ins Stubachtal auf 880m (Danke an die Verantwortlichen!, für ca. 6 Autos Platz), gings die frisch geräumte aber noch immer halbwegs gut bedeckte Forststraße hoch (die Wiese daneben leider nur notdürftig mit ca. 20cm lockerem Schnee bedeckt,  dann auf 1200m von der Straße über die noch relativ neue Brücke zum Einstieg in das (kurze) Waldstück.

Wichtig: gleich nach der Brücke teilen sich die Spuren, die rechte Spur über den zweiten Bach nehmen!, die linke ist eine Stapfspur, die zur Harland Grundalm führen dürfte (Wildfütterung??)

Hier im Wald, der kritischen Zone dieser Tour, wo die Schi ab und zu auch mal getragen werden müssen, momentan etwa 40 Pulver ohne Unterlage, dementsprechend mau, wir sind rauf und runter alles mit Schi, aber halt doch mit dem ein oder anderen Feindkontakt (trotz Vorsicht).

Auf 1260m öffnet sich das Gelände dann schon wieder und ab da wird’s auch sukksesive besser mit der Schneelage.

Spätestens ab 1550m, knapp unterhalb der Hofer Grundalm, ist die Schneeunterlage dann ausreichend und ab da pures Vergnügen.

 

Auf 1900m haben wir dann ein Schneeprofil gegraben, beim Heruntersteigen von den Bretteln sinken wir sofort bis zu den Knien ein, Fazit:

20° Hangneigung (gemessen)

Hangrichtung NO

140cm Schneehöhe

Die obersten 30-35cm staubiger Pulver,

darunter wird’s langsam fester, aber keine Kruste,

2 Gleitschichten, die erste in 55-60cm Tiefe, die zweite in 75-80cm Tiefe.

 

Da man (bei entsprechender Routenwahl) nie durch einen Hang durch muss der steiler als 30° wäre (die meiste Zeit vermutlich eher 20-25°, modernem Kartenmaterial mit Hangneigungsschatierungen sei Dank) wagen wir es mit Entlastungsabständen weiter aufzusteigen, jedoch stehts die flachste Route durchs Gelände suchend.

So geht es hoch bis auf 2140m, hier beschließen wir abzubrechen (Ziel wäre auf 2500m gewesen), da ab hier der Wind gefühlsmäßig etwas mehr angreifen konnte (erstmals abgewehte Stellen, die durch den Pulver ragen, der auf den letzten 100 Höhenmetern auch in seiner Mächtigkeit merklich zu schwanken begonnen hat).

Da auch die Sicht zeitweise nicht ganz 100%ig ist, beschließen wir also, auf die letzte, etwas unter 30° steile Geländewelle zu verzichten, just in dem Moment zieht uns auch noch der erste etwas stärkere Windhauch um die Ohren, als wenn er uns gehört hätte!

Ansonsten war es trotz angesagtem Sturm in den Hohen Tauern überraschend windstill an diesem Tag (was vermutlich der guten Abschirmung dieses Kars nach NW geschadet ist).

 

Mit Vorsichtsabständen und penibel jeden auch nur ansatzweise steileren Hang meidend (auch das eine oder andere Setzungsgeräusch war dabei), dürfen wir anschließend die Hänge „hinunterschwimmen“, das kommt den Verhältnissen heute wohl am nähesten, juhu!

Unter 1500 und besonders im Wald war dann entsprechend der dünnen Schneelage wieder etwas mehr Vorsicht angesagt, bevor es über die Forststaße sicher bis zum Auto hinunterging.

 

Fazit: Im unteren Teil wäre noch etwas mehr Unterlage nicht schlecht, weiter oben genug Schnee, der sich dafür noch etwas mehr setzen sollte, bis es soweit ist, ist in diesem Gebiet GROSSE Vorsicht geboten.

 

Autor: Rothauer Martin
Datum: 16.01.2021
Saison: 20/21
Gebiet: Granatspittzgruppe

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Rothauer Martin20.01.2021

Habs geändert, danke!

Andreas Eicher18.01.2021

P.S. Eins hab I no vergessen.

Du warst in der Granatspittzgruppe unterwegs und ned in der Glocknergruppe %uD83D%uDE01

Andreas Eicher18.01.2021

Servus Martin,

Das lawinentechnische Kriterium bei der Tour ist nach der Wald- und Staudenpassage, wenn es kurz den Graben entlang und dann links über diesen zur Alm geht. Hier ziehen riesige 40 Grad steile Hänge von der Schiederscharte in diesen Graben herunter. Vor Allem bei Erwärmung sollte man hier aufpassen und das auch bei der Tourenplanung berücksichtigen.
Die nur mäßig steilen und kupierten Abfahrtshänge können wirklich defensiv angespurt und  abgefahren werden. 
 

Rothauer Martin17.01.2021

Hallo Nani!

Danke für deine Einschätzung dazu!

lg Martin

Nani Klappert17.01.2021

P..S.: Die Berge des Stubachtals sind heute Nachmittag und für morgen auf LWS 4 hochgestuft worden. 

Nani Klappert17.01.2021

Servus Martin! Ferndiagnosen haben stets einen schalen Beigeschmack. Ich war gestern nicht unterwegs, schon gar nicht in dieser Gegend. Ich habe also kein Recht, meinen obergscheiten Lawinensenf zu eurer Tour zu geben. Ich kann mich höchstens via Fantasie in eine fiktive Tourenplanung Freitag Abend in der warmen Stube hineinzudenken versuchen.Solche Denkspiele schaden aber nicht, im Gegenteil. Eure Tour hatte meines Wissens gestern unten 2, oben 3. Es ist schon richtig, man überschreitet dort bei richtiger Spur nicht 30 Grad,  außer unten im Wald, den halte ich für wenig heikel, bei wenig Schnee erkennt man ja sogar noch das Wegerl zur Hoferalm. Bei einem 3er genügt das aber nicht, zumindest nach Lehrmeinung müsste man den ganzen Hang mit ins Kalkül ziehen. Und diese (traumhaften) Riesenhänge erreichen an vielen Stellen über 40 Grad, besonders nach dem Wald zur Alm rechts rauf. Wumm heißt Scherbruch und es gibt auch noch Bruchausbreitung per Fernauslösung. Vielleicht hätt man noch ein paar Tage warten können,  aber das ist nur eine Meinung und kein Gesetz, dazu gibt's sicher andere Meinungen. 

"Grüneckkogelscharte" ist übrigens eine etwas unglückliche Bezeichnung. In den Karten gibt es sie nicht, sie ist eine Erfindung der Tourengeher. Die Scharte auf eurem Bild "Abgeblasene Kuppen" wäre die logische Grüneckkogelscharte. Dort rauf hat's aber zum Schluss fast 45 Grad. In der heutigen Führerliteratur ist eine kleine Verflachung in der Grünkarschneid das Ziel. Im Urgroßvater der Führerliteratur, im Hutter, heißt die Tour auch noch "Grünkarschneid". Heute nicht mehr gebräuchlich. So, genug geschwafelt. Alles Gute und LG aus Großgmain, Nani 

Rothauer Martin17.01.2021

Falls irgendjemand mit etwas mehr Erfahrung noch was zu der Tour zu sagen hätte (oder zu unserer Vorgangsweise) nur zu, bin als noch nicht allzu Erfahrener immer froh über konstruktive Ratschläge und auch Kritik!