Lawinenunfall Wildgerlostal, 22.01.2017 (Krimml)

Vier tschechische Schneeschuhgeher übernachten im Talschluß des Wildgerlostales und sind talauswärts unterwegs. Im Talboden in rund 1750 m Seehöhe, taleinwärts von der Trisslalm, nach der letzten Kehre im flachen Boden, werden sie um ca. 10:30 von einer spontanen (also von selbst abgehenden) trockenen Lawine überrascht.
 

Der Anbruch ist rund 700 bis 800 Höhenmeter weiter oben in rd. 2400 m Seehöhe in extrem steilen Felsgelände mit vielen Rippen, Rinnen und Kaminen. Dort hat sich ein kleines Schneebrett gelöst und den Schnee in den Rinnen mitgenommen. Unten angekommen reicht die kleine trockene Lawine gerade über den Weg, den die vier just in den Moment passieren.

 

3 der 4 wurden ganz verschüttet, einer blieb unverschüttet. Der Unverschüttete konnte einen Kameraden rasch aus 0.5 m befreien. Gemeinsam gruben sie den dritten Kameraden aus 1.5 m Tiefe aus und begannen mit der Reanimation. Der Vierte konnt erst später durch die Bergrettung aus 2.0 m Tiefe ausgegraben werden. Die zwei zuletzt geborgenen Personen verstarben. Die Schneeschuhwanderer hatten keine Nofallausrüstung dabei.


Lawinentyp: Schneebrett, trocken
Anriss Seehöhe: um 2400 m
Anrissmächtigkeit: geringmächtig, 10-30 cm, unsicher weil nicht zu erkennen
Anrissbreite: wenige Meter, unsicher weil nicht zu erkennen
Länge: ca 700 m
Steilheit beim Anriss: 40-50 Grad, stark felsdurchsetzt
Exposition: W, kammfern
Bruch: durch Föhnsturm eingewehter frischer Triebschnee; spontane Auslösung
Lawinengröße: 2 (kleine Lawine)


Lawinenproblem: TRIEBSCHNEEPROBLEM, durch den Föhnsturm seitlich eingewehte Rinnen

 
Details aus dem Lawinenlagebericht vom 22.01.2017:
Gefahrenstufe Hohe Tauern: Erheblich (3)
Besonders gefährdete Expositionen: NW-N-NO
Besondes gefährdeter Höhenbereich: > 2000 m
Beschreibung der Lawinensituation: Triebschneesituation durch Föhnsturm
kein Tagesgang
http://www.lawine.salzburg.at/lageberichte/lb_2017-01-22.html


Beschreibung der Lawinensituation im LLB: .... Achtung: Der Triebschnee, den der Föhn heute frisch bildet, ist im steilen Nordsektor leicht auslösbar. Der Impuls einer Person reicht oft schon aus, auch spontane Schneebretter sind möglich. ..... Die Triebschneepakete sind unterschiedlich dick, von 10 bis 30 cm. Die Gefahrenstellen entstehen kammnah, in den Föhnschneisen auch kammfern hinter Geländekanten. .......Spontanes: Der Erwärmungsimpuls löst einzelne kleine bis mittlere Lawinen aus dem felsdurchsetztem Steilgelände......


WAS KANN JEDER MITNEHMEN und LERNEN:

Nicht viel auf dem ersten Blick - es ist extremes Pech, wenn man von so einer Lawine, die von selbst abgeht, noch dazu von soweit oben und nicht einsehbar, auf eine Breite von rund 20 m erwischt wird. Wenn man wenige Minuten früher oder später an der Stelle vorbei kommt, dann passiert gar nichts. Ist auch nicht wirklich bei der Tourenplanung für diese Situation einzukalkulieren. Dass ein spontanes Triebschneebrett den Talboden 700 Höhenmeter weiter unten noch erreicht, ist bei diesen Schneemengen und in dem Gelände nicht vorhersehbar.

 

Was man schon mitnehmen kann: Abstandhalten hilft (immer)! Notfallausrüstung kann den Schaden ganz wesentlich minimieren.

 

Infos vor Ort von BR Krimml (Hölzl M.) und AEG (Hinterer A.).
Fotos von Hias Hölzl und Christian Graf von der FeSt/BMI-Salzburg.

 

Autor: Bernhard Niedermoser
Datum: 22.01.2017
Saison: 16/17
Gebiet: Hohe Tauern